Montag, 07.09.2026

Koblenz Leserpanel: Günstigere Wohnungen fehlen Koblenz am meisten

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Was fehlt Koblenz am meisten? 1.325 Leserinnen und Leser des Koblenzer Tagblatts haben diese Frage beantwortet. Dabei war bewusst nur eine einzige Antwort möglich. Das Ergebnis fällt deutlich aus: Bezahlbarer Wohnraum landet auf Platz eins. Doch direkt dahinter folgt ein Thema, das für die Koblenzer Innenstadt zunehmend brisant wird.

Mehr Grün, bessere Straßen, mehr Geschäfte, mehr Kultur, günstigere Wohnungen oder ein besserer öffentlicher Nahverkehr: Wenn man sich für genau einen dieser Punkte entscheiden müsste, was braucht Koblenz derzeit am dringendsten?

Genau diese Frage haben wir im Koblenz Leserpanel gestellt. 1.325 Leserinnen und Leser haben teilgenommen. Anders als bei Fragen mit Mehrfachauswahl musste sich jeder Teilnehmer für eine einzige Antwort entscheiden.

Das sorgt für ein vergleichsweise klares Bild der Prioritäten.

Platz eins: Günstigere Wohnungen

Mit 27 Prozent landet das Thema günstigere Wohnungen auf dem ersten Platz. Das entspricht rund 358 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Damit entscheidet sich mehr als jeder Vierte für das Wohnen, obwohl gleichzeitig fünf andere Themen zur Auswahl standen.

Das Ergebnis zeigt, welchen Stellenwert die Wohnkosten inzwischen auch in Koblenz haben. Bezahlbares Wohnen ist längst kein abstraktes Großstadtthema mehr. Wenn mehr als ein Viertel der Teilnehmer dieses Problem vor Straßen, ÖPNV, Grünflächen, Kultur und Einzelhandel setzt, ist das ein deutliches Signal.

Vor allem die Formulierung der Frage macht das Ergebnis interessant: Gefragt wurde nicht, welche Bereiche verbessert werden sollten. Gefragt wurde, was Koblenz am meisten fehlt.

Wer für günstigere Wohnungen gestimmt hat, musste dafür alle anderen Wünsche zurückstellen.

Überraschend stark: 23 Prozent vermissen mehr Einzelhandel

Nur vier Prozentpunkte hinter dem Thema Wohnen landet der Einzelhandel.

23 Prozent, also rund 305 Befragte, wünschen sich vor allem mehr Einzelhandel in Koblenz.

Damit entscheidet sich fast jeder vierte Teilnehmer für zusätzliche oder attraktivere Einkaufsmöglichkeiten.

Wohnungen und Einzelhandel vereinen gemeinsam bereits 50 Prozent aller Stimmen auf sich.

Gerade das Ergebnis zum Einzelhandel ist bemerkenswert. Denn der Eindruck, dass es hier Unzufriedenheit gibt, lässt sich auch unabhängig vom Koblenz Leserpanel beobachten.

Im offiziellen Koblenzer Bürgerpanel ist die Zufriedenheit mit der Vielfalt des Einzelhandelsangebots in der Innenstadt seit 2019 deutlich zurückgegangen. 2019 waren noch 79 Prozent der Befragten eher oder sehr zufrieden und 19 Prozent unzufrieden. Der von der Stadt berechnete Zufriedenheitsgrad lag damals bei 70 Punkten.

Im Bürgerpanel 2025 waren nur noch 55 Prozent eher oder sehr zufrieden, während 41 Prozent unzufrieden waren. Der Zufriedenheitsgrad sank auf 53 Punkte und damit um 17 Punkte gegenüber 2019. Die Kommunalstatistik der Stadt bezeichnet den zeitlichen Trend selbst als eindeutig negativ.

Die Entwicklung erfolgte dabei nicht nur während der Corona-Pandemie. Bereits 2021 war der Zufriedenheitswert gesunken. Auch 2023 kam es laut Stadt nicht zu einer Erholung, sondern zu einem weiteren Anstieg der Unzufriedenheit.

Das aktuelle Ergebnis des Koblenz Leserpanels steht damit nicht isoliert da.

Die Innenstadt bleibt ein sensibles Thema

Dabei wäre es zu einfach, aus dem Ergebnis zu schließen, Koblenz habe grundsätzlich zu wenige Geschäfte.

Die Stadt selbst bezeichnet Koblenz weiterhin als bedeutende Einkaufsstadt für die gesamte Region. Rund 260.000 Quadratmeter Verkaufsfläche gibt es nach Angaben der Stadt im Stadtgebiet, davon etwa 114.000 Quadratmeter in der Innenstadt. Das Einzugsgebiet reicht weit über Koblenz hinaus.

Gleichzeitig beschreibt die Stadt selbst die Herausforderungen, vor denen Innenstädte stehen: verändertes Konsumverhalten, digitaler Handel, Leerstände und eine teilweise rückläufige Angebotsvielfalt. Auch deshalb wird die Koblenzer Innenstadt zunehmend nicht mehr ausschließlich als Einkaufsort gedacht, sondern als Mischung aus Handel, Wohnen, Gastronomie, Kultur, Dienstleistungen und Freizeit.

Der Wunsch nach „mehr Einzelhandel“ dürfte deshalb nicht zwangsläufig bedeuten, dass die Teilnehmer einfach möglichst viele zusätzliche Ladenflächen fordern.

Dahinter kann ebenso der Wunsch nach mehr Auswahl, interessanteren Geschäften, weniger Leerständen oder einer attraktiveren Mischung stehen.

Dazu passt eine Erkenntnis des städtischen Bürgerpanels 2023: Dort wurde trotz sinkender Zufriedenheit nicht in erster Linie die reine Menge des Einzelhandels kritisiert. In offenen Antworten ging es vielmehr um eine aus Sicht der Teilnehmer nachlassende Qualität und Vielfalt des Warenangebots.

Bessere Straßen auf Platz drei

Auf Rang drei folgen die Straßen.

18 Prozent der Befragten, rund 239 Personen, sehen bessere Straßen als das wichtigste fehlende Element in Koblenz.

Damit entscheidet sich knapp jeder Fünfte für die Verkehrsinfrastruktur.

Das ist ein beachtlicher Anteil, reicht aber nicht an die beiden führenden Alltagsthemen Wohnen und Einzelhandel heran.

Mehr Grün erreicht 14 Prozent

14 Prozent, etwa 186 Teilnehmer, wünschen sich in erster Linie mehr Grün.

Das Ergebnis ist besonders interessant vor dem Hintergrund anderer Fragen des Koblenz Leserpanels.

Denn grundsätzlich findet zusätzliche Begrünung sehr breite Zustimmung. In unserer Befragung zu Bäumen und Schattenplätzen sprachen sich rund 80 Prozent für mehr davon aus.

Die aktuelle Frage zwingt jedoch zu einer Priorisierung.

Wer nur einen einzigen Bereich auswählen darf, entscheidet sich deutlich häufiger für günstigeres Wohnen, mehr Einzelhandel oder bessere Straßen.

Das zeigt einen wichtigen Unterschied zwischen zwei Arten von Umfragen: Eine Maßnahme kann grundsätzlich von einer sehr großen Mehrheit begrüßt werden und dennoch nicht ganz oben auf der persönlichen Prioritätenliste stehen.

Besserer ÖPNV bei elf Prozent

Für 11 Prozent, also rund 146 Teilnehmer, fehlt Koblenz vor allem ein besserer öffentlicher Nahverkehr.

Damit landet der ÖPNV auf dem vorletzten Platz.

Auch daraus sollte allerdings nicht geschlossen werden, dass die Teilnehmer mit dem Nahverkehr grundsätzlich zufrieden sind. Die Frage misst etwas anderes: Sie zwingt zur Entscheidung zwischen verschiedenen Themen.

Dass der ÖPNV nur von etwa jedem neunten Teilnehmer an die erste Stelle gesetzt wird, bedeutet zunächst lediglich, dass andere Bereiche aktuell häufiger als dringlicher wahrgenommen werden.

Kultur landet auf dem letzten Platz

Am seltensten fiel die Entscheidung auf mehr Kultur.

7 Prozent, rund 93 Teilnehmer, wählten diese Antwort.

Das passt durchaus zu älteren und neueren Befragungen der Stadt. Koblenz schneidet bei der Bewertung seines Kulturangebots traditionell vergleichsweise gut ab. Schon im städtischen Bürgerpanel 2019 attestierten vier von fünf Befragten Koblenz, ein vielfältiges kulturelles Zentrum zu sein.

Auch im Bürgerpanel 2023 sah eine klare Mehrheit keinen Bedarf für eine Ausweitung des kulturellen Angebots in der Innenstadt.

Der letzte Platz muss deshalb nicht bedeuten, dass Kultur für die Menschen unwichtig ist. Vielmehr könnte das bestehende Angebot im Vergleich zu anderen Bereichen als weniger problematisch wahrgenommen werden.

Das vollständige Ergebnis

Von den 1.325 Teilnehmerinnen und Teilnehmern entschieden sich:

  • 27 Prozent für günstigere Wohnungen, rund 358 Stimmen
  • 23 Prozent für mehr Einzelhandel, rund 305 Stimmen
  • 18 Prozent für bessere Straßen, rund 239 Stimmen
  • 14 Prozent für mehr Grün, rund 186 Stimmen
  • 11 Prozent für einen besseren ÖPNV, rund 146 Stimmen
  • 7 Prozent für mehr Kultur, rund 93 Stimmen

Die angegebenen absoluten Stimmenzahlen sind Näherungswerte auf Grundlage der gerundeten Prozentangaben.

Zwei Themen stechen heraus

Das vielleicht wichtigste Ergebnis liegt nicht allein im ersten Platz.

Wohnen und Einzelhandel kommen zusammen auf genau 50 Prozent der Stimmen.

Jeder zweite Teilnehmer sieht damit einen dieser beiden Bereiche als das größte Defizit unter den sechs zur Auswahl stehenden Themen.

Auf der einen Seite steht die Frage, ob Menschen es sich leisten können, in Koblenz zu wohnen. Auf der anderen Seite steht die Frage, wie attraktiv und vielfältig insbesondere die Innenstadt als Einkaufsort bleibt.

Straßen, Stadtgrün und öffentlicher Nahverkehr sind ebenfalls relevante Themen. Doch wenn eine Entscheidung erzwungen wird, rücken Wohnen und Einkaufen besonders deutlich nach vorne.

Genau solche Priorisierungen will das Koblenz Leserpanel sichtbar machen.

Denn die Frage „Soll Koblenz mehr Grün bekommen?“ kann eine ganz andere Antwort hervorbringen als die Frage: „Was braucht Koblenz dringender als alles andere?“

Erst durch solche unterschiedlichen Blickwinkel entsteht nach und nach ein genaueres Bild davon, was Koblenz bewegt und wo die Leserinnen und Leser den größten Handlungsbedarf sehen.

Hinweis zur Umfrage

Die Befragung des Koblenz Leserpanels ist nicht repräsentativ für die gesamte Bevölkerung der Stadt Koblenz. Sie bildet die Einschätzungen der 1.325 Leserinnen und Leser ab, die an der Abstimmung teilgenommen haben. Da pro Person nur eine Antwort möglich war, zeigt das Ergebnis insbesondere, welchen der sechs vorgegebenen Bereiche die Teilnehmer persönlich die höchste Priorität eingeräumt haben.

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