Dienstag, 16.06.2026

Alte Kellerei in Montabaur nach umfassender Restaurierung wieder nutzbar

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Die Alte Kellerei in Montabaur, ein historisches Fachwerkhaus mit Wurzeln im Mittelalter, ist nach monatelangen Arbeiten wieder bezugsfertig. In dem dreistöckigen Gebäude an der Judengasse entstanden vier Wohnungen und ein großer Büroraum im Erdgeschoss. Die Einheiten sollen ab Juli verkauft werden.

Sanierung im Zusammenspiel mit Denkmalpflege und Stadt

Das Haus war nach Angaben von Beteiligten jahrelang leergestanden und drohte zu verfallen. Die Stadt hatte das Gebäude 2017 übernommen und unter dem Motto „Retter gesucht Alte Kellerei in liebevolle Hände abzugeben“ einen Käufer gesucht, der das denkmalgeschützte Objekt saniert. Architekt Jörg Orthey, in Montabaur aufgewachsen und heute in Münster tätig, übernahm das Anwesen und realisierte die Restaurierung in enger Abstimmung mit der Denkmalpflege. Die Maßnahme wurde im Rahmen der Stadtsanierung gefördert.

Orthey betont, dass das Projekt erhebliche Schwierigkeiten mit sich brachte. Er habe nicht mit einer solchen Herausforderung gerechnet und mehr als einmal ans Aufgeben gedacht, am Ende aber weitergemacht. Nach der Übernahme sei mit der Entkernung begonnen worden, bei der regelmäßig neue Schadensbereiche sichtbar wurden.

Technik, Materialien und handwerkliche Arbeiten

Bei der Sanierung wurden Teile des Gebälks erneuert, andere historische Elemente erhalten. Die Fachwerkwände wurden teilweise neu ausgemauert, vorwiegend mit Lehmziegeln. Verputzt und gestrichen wird die Fassade erst in etwa zwei Jahren, um dem Bauwerk Zeit zum Trocknen und Setzen zu geben. Soweit möglich kamen ökologische Baustoffe zum Einsatz. Gleichzeitig wurde das Haus mit moderner Haustechnik ausgestattet, unter anderem einer Wärmepumpe und Wandflächenheizungen.

Ein Zimmerermeister mit Spezialisierung auf Fachwerk übernahm viele der Innen- und Außenarbeiten. Um die oberen Etagen zugänglich zu machen und gleichzeitig zusätzlichen Außenraum zu schaffen, wurde eine außenliegende Treppe angebracht, die als Sommerbalkon dienen soll.

Funde während der Arbeiten

Bei der Entkernung stießen die Handwerker auf einen fünf Meter tiefen Gewölbekeller im Erdgeschoss, der teilweise mit Bauschutt verfüllt gewesen war. Freunde und Verwandte halfen, den Raum frei zu legen. Die Öffnungen des Kellers ragen durch die Stadtmauer und geben einen Blick auf das Sauertal frei. Im Erdgeschoss befindet sich nun ein großer Raum, der künftig als Büro genutzt werden kann.

Ein markantes Element des Hauses ist ein großer Eichenbalken, der das Gebäude sichtbar strukturiert. Dabei handelt es sich nicht um ein Originalstück, sondern um eine 1 zu 1 Nachbildung, hergestellt aus einem Stamm.

Historischer Kontext und städtische Verantwortung

Das genaue Alter des Gebäudes lässt sich nicht eindeutig datieren. Hinweise aus dem Stadtarchiv legen nahe, dass der Keller und die Fundamente zusammen mit der Stadtmauer bereits im 14. Jahrhundert entstanden sein könnten. Das ursprüngliche Gebäude wurde vermutlich beim großen Stadtbrand von 1534 zerstört und um 1594 auf dem alten Keller neu errichtet. Seither wechselten Besitz und Nutzung mehrfach.

Die letzten Eigentümer traten 2013 vom Eigentum zurück, seitdem verschlechterte sich der Zustand. Mit dem städtischen Ankauf 2017 sollte eine weitere Verschlechterung verhindert werden. Die Stadtbürgermeisterin Melanie Leicher würdigte bei einer Besichtigung die Arbeit an dem Haus und sagte, die Stadt habe ein historisches Gebäude vor dem Abriss bewahrt. Sie begrüßte, dass dem Gebäude nun wieder Leben eingehaucht werde und verwies auf die besondere Aussicht auf Stadt und Sauertal.

Die Wohnungen und das Büro stehen nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten ab Juli zum Verkauf.

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