Mit Augmented Reality kann am GelbACHTrail bei Heilberscheid jetzt die im 19. Jahrhundert aufgegebene Siedlung Sespenroth an ihrem ursprünglichen Standort erlebt werden. Auf den heute unübersehbaren Wiesen erscheinen historische Gebäude über eine App auf Smartphone oder Tablet, ergänzt durch zwei Hörspiele, die an die Auswanderung von 1853 erinnern.
Historischer Kontext
Sespenroth lag nur wenige hundert Meter südöstlich des heutigen Montabaurer Stadtteils Reckenthal. Mitte des 19. Jahrhunderts verloren viele Menschen im Westerwald durch Industrialisierung, schlechte Ernten und Armut ihre Lebensgrundlage. Im Jahr 1853 verließen die Bewohner das Dorf, einige Familien zogen mit nur zwei Handkarren in die Vereinigten Staaten.
Für Nachkommen wie Ed Rosenthal, der zur Eröffnungsfeier anwesend war, hat das Projekt eine persönliche Bedeutung. Er sagte, die Rekonstruktion helfe, die Erinnerung an das Dorf lebendig zu halten. Besonders gewürdigt wurde das langjährige Engagement von Guido Feig, der posthum dafür Anerkennung erhielt. Feig hatte in Archiven und Kirchenbüchern in den USA recherchiert und so wesentliche Teile der Geschichte der Auswanderer zusammengetragen. Seine Witwe nahm den Dank entgegen.
Augmented Reality und künstlerische Umsetzung
Die virtuelle Rekonstruktion entstand unter Leitung des Archäologen Sascha Schmitz und seines Teams der Firma ARGO. Für die Darstellung standen lediglich zwei historische Fotografien der Gebäude zur Verfügung. Zusätzlich wertete das Team Freilichtmuseen und Vergleichsobjekte aus, um ein möglichst authentisches Bild zu erzeugen. QR-Codes an Info-Tafeln am ehemaligen Dorfstandort führen zur App mit der AR-Darstellung und zu zwei kurzen Hörspielen von Lindner und Steffen.
Tobias Panne, Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Montabaur, betonte, dass das Projekt dazu diene, „zu visualisieren, was heute nicht mehr da ist“ und auch Fragen nach den Gefühlen der damaligen Bewohner aufzuwerfen. Die Hörspiele versuchen genau diese Perspektive nachzuzeichnen: Ein Großvater erklärt seinem Enkel die Lage im Dorf, in einer anderen Szene tröstet eine Mutter ihr Kind an Bord des Auswandererschiffes Leander.
Eröffnung, Finanzierung und Zugänglichkeit
Die Eröffnung wurde von der Ortsgemeinde und lokalen Vereinen begleitet. Nach einer Andacht und der Segnung durch den örtlichen Pfarrer gab es musikalische Beiträge, regionale Speisen und Gespräche vor Ort. Ortsbürgermeister Manfred Hesse sagte, das Projekt mache Geschichte „nicht nur in Büchern“ sichtbar.
Die Gesamtkosten liegen bei rund 22.000 Euro. Die Verbandsgemeinde Montabaur trägt den Großteil der Mittel im Rahmen des Masterplans Gelbachtal. Der Naturpark Nassau unterstützte das Vorhaben mit 2.000 Euro. Besucher können die AR-Station direkt am GelbACHTrail nutzen; QR-Codes auf zwei Informationstafeln führen zur App und zu den Hörspielen. Ein kostenloser Flyer ist in der Tourist-Info Montabaur erhältlich.
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